Karte vom Rheinland

III. Rheinischer Museumstag

Tagung des Verbandes Rheinischer Museen


In dieser Woche fand der “III. Rheinischer Museumstag” im Rheinischen Landesmuseum in Bonn statt. Thema war die Erhebung “Zur Situation der Rheinischen Museen”, die der Verband Rheinischer Museen zusammen mit dem Rheinischen Archiv- und Museumsamt des Landschaftsverbandes Rheinland erstellt und deren Auswertung der Landschaftsverband in Auftrag gegeben hatte.
Der stellvertretende Direktor des Rheinischen Landesmuseums, Lothar Altringer, konnte rund 100 Museumsleiter und -mitarbeiter in Bonn begrüßen. Dem Vorsitzenden des Verbandes Rheinscher Museen, Dr. Rolf Jessewitsch, hatten interessante Redner und Gäste zugesagt:
Die neue Dezernentin des Landschaftsverbandes für Kultur und Umwelt, Milena Karabaic dankte 262 Museen für die Mitwirkung und das Standhalten unter immer größerem ökonomischen Druck. Der Landschaftsverband wird die Umfrageergebnisse zu einer Grundlage für Förderungsentscheidungen machen. Prof. Klein vom Zentrum für Evaluation und Besucherforschung der Universität Karlsruhe erläuterte die Umfrageergebnisse. Die Erhebung hatte in der Region Niederrhein die beste Rücklaufquote, in der Region Köln / Bonn die schlechteste Quote. Dort hat man den Wert der Erhebung unterschätzt. Sie bringt eine Fülle von Einsichten in die Situation: Beispielsweise nehmen rund 30 % der der Museumsleiter noch andere Aufgaben wahr. Gerade in den Depots und in der Museumspädagogik findet man immer seltener geschultes Personal. Nur 40 % der Museen befinden sich noch in kommunaler Trägerschaft, ebenfalls nur 40 % verfügen über behindertengerechte Zugänge und Medien zur Besucherinformation. 40 % “leben” zu einem bedeutenden Teil von auswärtigen Besuchern. Zwei Drittel der kleineren Museen verfügen über keine festen Mitarbeiter. 37 Museen haben nur befristete Personalverträge, das Ehrenamt ist auf dem Vormarsch – und der Nachwuchs € Plätze für Volontäre gibt es kaum.
Dazu nahmen anschließend die kulturpolitischen Sprecher der Fraktionen im Landtag NRW Stellung. Für Prof. Dr. Thomas Sternberg (CDU) sind Museen das kulturelle Gedächtnis einer Stadt, einer Region. Sie sind wichtig zur Bildung kultureller Identität und auch deshalb außerschulischer Lernort. Zu den Kosten von Gebäuden und Personal betonte Prof. Sternberg, dass diese Kosten nicht durch Sponsoring zu decken sind. Er erinnerte an die Zusage der Landesregierung, die Kultur stärker fördern zu wollen. Ingrid Hack (SPD) sieht die Umfrageergebnisse als gute Grundlage für Sicherung und Erhalt der Sammlungen. Angela Freimuth (FDP, Vizepräsidentin des Landtages) war überrascht, dass einige große Museen an der Umfrage nicht teilgenommen haben. Sie betonte den Wert der Museumspädagogik. Oliver Keymis (Bündnis 90 / Die Grünen) stellte eine weitgehende Übereinstimmung der Parteien in der Kulturpolitik fest. An die Statements der Politiker schloß sich eine Diskussion an, in der unter anderem die Forderung nach einem Museumsgesetz laut wurde.
Die zweite Runde der Tagung eröffnete Dr. York Langenstein, Präsident des Deutschen Internationalen Museumskomitees (ICOM) und Leiter des Amtes für die rund eintausend nichtstaatlichen Museen in Bayern. Er zeigte sich überrascht über die hier in Bonn mögliche Diskussion mit den Politikern. Er lobte den erfolgten Beitritt Deutschlands zur Kulturgüterschutz – UNESCO-Kommission und räumte ein, dass eine Museumsumfrage in Bayern nicht so umfangreich und differenziert wie die in NRW erfolgte. Dr. Hans Lochmann für den Museumsverband Niedersachsen und Bremen schloß sich dem an. Er nannte die letzte Bestandserhebung in Niedersachsen und Bremen eine bloße Abfrage von Strukturdaten, der die professionelle Bearbeitung bisher fehlt.
Museumsdirektoren aus dem Rheinland schilderten anschließend Situationen vor Ort: Oft werden Versuche der Direktoren, die eigene Einrichtung attraktiver zu machen, durch Reglementierungen der Kommunen bezüglich der Entscheidungsfreiheit, der Öffentlichkeitsarbeit oder der Öffnungszeiten verhindert. Beispielsweise lagern in manchen Orten historische Bestände außerhalb geeigneter Depots, befinden sich Büros und Bibliothek im Container, fehlen für empfindliche Bestände Klimaanlagen gänzlich. Das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten ist aus Zeitgründen kaum noch möglich, Bestandskataloge fehlen oft. Die Museen bemühen sich in dieser Situation zudem, immer mehr Gelder einzuwerben bzw. zu erwirtschaften. Für das Bergische Museum Schloß Burg wurden (bei 200.000 Besuchern) 85% Eigenfinanzierung genannt. Solche Veränderungen entlasten die Träger zunehmend.
Der Verband erhält in dieser Situation Zulauf. So ist die Zahl der Mitgliedsmuseen in den letzten drei Jahren von 61 auf 95 angestiegen.

29.9. 2006
Verband Rheinischer Museen
c/o Museum Baden
Wuppertaler Str. 160
42653 Solingen
Dr. Rolf Jessewitsch
0212 25814 0
www.verband-rheinischer-museen.de