Karte vom Rheinland

Regionale Kulturförderung – für Museen mehr als nur ein Schlagwort?

V. Rheinischer Museumstag – eine Bilanz


Am 2. Juni 2008 fand der V. Rheinische Museumstag im Goethe-Museum in Düsseldorf statt. Rund 100 Kolleginnen und Kollegen waren der Einladung von Verband Rheinischer Museen und Vereinigung Westfälischer Museen gefolgt, um an der Tagung zum Thema “Regionale Kulturförderung – für Museen mehr als nur ein Schlagwort” teilzunehmen. Vertreter von Kulturstiftungen, Landschaftsverbände und Sparkassen erörterten diese Frage und stellten ihre Förderkriterien vor.
Der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, eröffnete die Tagung mit seinem Beitrag “Museen in Nordrhein-Westfalen: Vielfalt fördern – Profile stärken”. Er versprach, die bei seinem Amtsantritt 2006 in Aussicht gestellte stufenweise Verdoppelung des Kulturetats weiter zu realisieren. Für 2008 bewilligte er 1 Mio. Euro für die Restaurierung von Museumsobjekten und sicherte 4 Mio. Euro für die Regionale Kulturförderung in NRW aus Mitteln des Landeshaushalts zu. Sie fließen nach Prinzipien des Wettbewerbs in die 10 Kulturregionen des Landes. Vor allem die kleinen Museen sowie Stadt- und Heimatmuseen sollten von der Regionalen Kulturförderung profitieren. Sie seien es, die in vielen Formen und an vielen Orten Geschichte und Kunst miteinander verbänden. Er appellierte an die Museen, neue inhaltliche Vorschläge für regionale Konzepte vorzulegen und neue Ausstellungsformen zu entwickeln. Als beispielgebend lobte Grosse-Brockhoff die Museumsinitiative Ostwestfalen-Lippe und Crossart, den Zusammenschluss von 10 deutschen und niederländischen Museen. Er forderte die Museen auf, sich zu vernetzen und auch mit Archiven, Bibliotheken, Schulen und Hochschulen zu kooperieren. Kulturelle Bildung müsse von den Museen kommen und dort selbstbestimmt wahrgenommen werden. Als besonders wichtig sieht Grosse-Brockhoff die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an die Museen an.
Nach den Ausführungen des Kulturstaatssekretärs und der sich anschließenden Diskussion hatten die Bundes- und Kultur- Stiftung, die Landschaftsverbände und die Sparkassen-Kulturstiftungen das Wort.
Dr. Michael Hanssler, Geschäftsführer der in Düsseldorf ansässigen Gerda Henkel Stiftung und Beiratsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, gab zunächst einen allgemeinen Überblick über das Stiftungswesen und belegte anhand von Zahlen – über 1000 rechtsfähige Stiftungen entstanden allein 2007 – u.a. den Boom von Stiftungsneugründungen in Deutschland. Für die Kulturstiftung der Länder sprach der stellvertretende Generalsekretär, Dr. Martin Hoernes. Die überregionale Stiftung sieht ihre Aufgabe vor allem in der Bewahrung und Förderung von Kunst und Kultur nationalen Ranges, bildet aber auch einen Schwerpunkt im Rückerwerb von Sammlungsverlusten. In “Arsprototo”, der hauseigenen Zeitschrift, informiert die Stiftung regelmäßig über die Kunstförderung in Deutschland.
Über die Kulturförderung der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland berichteten Dr. Kathrin Höltge (LWL) und Dr. Norbert Kühn (LVR). Sie hoben dabei, wie schon der Kulturstaatssekretär zuvor, den regionalen Bezug, den kulturellen Mehrwert und die Netzfähig als Voraussetzung für ihre Förderung hervor. Dr. Kühn informierte zudem über die Veränderungen im Zuständigkeitsbereich der Museumsberatung des Landschaftsverbandes. Sie werde nunmehr dem Kulturdezernat des LVR in Köln direkt unterstellt. Das Rheinische Archiv- und Museumsamt in Brauweiler gebe es in Zukunft deshalb so nicht mehr.
Burkhard Leismann, Direktor des Kunstmuseums Ahlen, stellte die 1993 gegründete Theodor F. Leifeld-Stiftung vor. Zweck dieser Stiftung ist die Finanzierung des Museumsbetriebs und die Förderung von Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft sowie Projekte in der Heimatpflege und Heimatkunde.
Der letzte Part im Tagungsprogramm galt der Kulturförderung der Sparkassen-Finanzgruppe. Gebündelt stellten Dr. Gert Schönfeld und Mercedes Slex für die Stiftungen der Kreissparkasse Köln sowie Christian Brand, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, ihre geförderten Projekte vor und gaben anhand praktischer Beispiele einen Ein- und Überblick ihrer Förderpraxis. Die Sparkassen- Finanzgruppe ist der größte nichtstaatliche Förderer von Kunst und Kultur in Deutschland, die z.B. auch den Internationalen Museumstag und das dazugehörige “MuseumsMagazin” finanziert. Sie ist deshalb für die Museen bereits jetzt ein wichtiger Partner.
Die Referenten verwiesen außerdem auf ihre Internetauftritte, wo sich weitere Informationen abrufen lassen.
Zum Gelingen des V. Rheinischen Museumstages trug neben den Referaten auch das schöne Wetter bei. In lockerer und heiterer Atmosphäre blieb – sowohl im Goethe-Museum wie auch beim Mittagsimbiss im Theatermuseum – genug Zeit für die Kommunikation unter den Kollegen. Führungen durch beide Museen rundeten den V. Rheinischen Museumstag ab.

Regine Zeller
Vorsitzende
Düsseldorf, im Juni 2008