Karte vom Rheinland

Geschichte

75 Jahre Verband Rheinischer Museen – ein Rückblick

Rede des früheren Vorsitzenden Dr. Dirk Soechting am 2.12. 2002 anläßlich der Tagung im Landeshaus des Landschaftsverbandes Rheinland und im Kölnischen Stadtmuseum, veröffentlicht in: Rheinische Heimatpflege, 40. Jg., 1/2003

Der Verband Rheinischer Museen wurde im vergangenen Jahr 75 Jahre alt. Es gilt deswegen ein wenig Rückschau zu halten, ohne all zu lange auf den einzelnen Zeiten und Entwicklungen zu beharren. Trotzdem ist es interessant, aus manchen alten Protokollen zu zitieren, weil die damals geäußerten Thesen für die heutige Zeit und die heutige Problematik des Verbandes Rheinischer Museen, auch im Jahre 2002, noch relevant sind.

1927 wurde der Verband der Rheinischen Heimatmuseen am 23. November unter dem Vorsitz des Landeshauptmanns Horion in Bonn gegründet. Nach den Schwierigkeiten des Krieges und nach den großen Zerstörungen und Verlusten, gerade in den Heimatmuseen, kam es erst nach dem Krieg, am 4. Oktober 1947, wieder zu einer Jahresversammlung. Danach schweigen die Akten. Erst am 4. Dezember 1962 konnte in Köln der Verband der Rheinischen Heimatmuseen wiederbegründet werden. Natürlich freue ich mich, dass ich die Vorsitzenden des Verbandes Rheinischer Museen seit 1962 alle noch persönlich kennen lernen durfte: Den langjährigen 1. Vorsitzenden Dr. Udo Klausa, Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland, und Dr. Rudolf Stampfuß, der große Prähistoriker des Niederrheins, den Museumspfleger der ersten Stunde, seit 1962. 1972 wurde Professor Dr. Hugo Borger, Direktor des Römisch-Germanischen Museums in Köln, zum Vorsitzenden gewählt. Ihm folgte Dr. Wolfgang Kolbe, früherer Direktor des Fuhlrott – Museums in Wuppertal, darauf Udo Meier, Diplomkaufmann, Direktor des Museums Volk und Wirtschaft in Düsseldorf, bis 1991 wieder einmal der Verband Rheinischer Museen neu gegründet wurde. 1. Vorsitzender bis heute: Dr. Dirk Soechting, Direktor des Bergischen Museums Schloss Burg in Solingen.

Diese Daten sollen im Folgenden ein wenig beleuchtet werden. Bei der Neugründung der Verbandes hat Dr. Rudolf Stampfuß 1962 nicht nur die Geschichte des Verbandes von den Anfängen her, sondern auch die Aufgaben der Heimatmuseen und Ziele der Verbandsarbeit beleuchtet. Die Geburtsstätte der Heimatmuseen überhaupt lag im Rheinland. Johann Wolfgang von Goethe hat nach seiner Rheinreise mit dem Freiherrn von Stein schon im Jahre 1815 einen Plan zur Schaffung von Museen, zur besseren Kenntnis der heimischen, Kultur, entworfen. 1822 kam es dann durch den preußischen Staatskanzler, Fürst Hardenberg, zur Gründung des Vaterländischen und Altertümlichen Museums in Bonn, dem später, 1874, vom Rheinischen Provinziallandtag/ Provinzialverband, die Einrichtung des zweiten Provinzialmuseums in Trier folgte.

Es ist schon interessant, wie es 1927 zu einem Verband der Heimatmuseen kam. Der Grund war nämlich, dass die beiden Landesmuseen Bonn und Trier alle archäologischen Funde, die damals verstärkt ausgegraben und zu Tage kamen, den Heimatmuseen streitig machten. Die Provinzialregierung hatte den beiden Landesmuseen in Bonn und Trier unbedingte Priorität bei den archäologischen Funden eingeräumt. Ein Zusammenschluss der vielen Heimatmuseen – und es gehörte damals noch das Rheinland des heutigen Landes Rheinland-Pfalz dazu -, wie er sich bei Zusammenkünften der Museumsleiter abzeichnete, konnte also nur verhängnisvoll für die beiden Provinzialmuseen sein. Deswegen versuchte man, eine weitgehende Zusammenarbeit aller Museen zu erreichen. Durch Bereitstellung von Geldern für die Heimatmuseen durch die Provinzialverbände waren natürlich alle Heimatmuseen an einer Zusammenarbeit höchst interessiert. Aber schon 1929, nach der zweiten Hauptversammlung des Verbandes, war in der Öffentlichkeit das Wirken eines Verbandes so gut wie abgeschlossen. Es funktionierte wohl einfach durch das verteilte Geld. 1930 setzte die Wirtschaftskrise ein und damit kam es zu erheblichen Kürzungen der öffentlichen Mittel, auch für die Museen. Das kommt uns für die heutige Zeit durchaus bekannt vor. Lakonisch hieß es damals: “Die Arbeit des Verbandes richtete sich in dieser Zeit der Depression, in der alle kulturellen Institutionen schwer um ihren Bestand zu ringen hatten, in die Tiefe.” Eine Zusammengehörigkeit blieb erhalten, Wanderausstellungen seit 1929 führten zu einer Belebung der Heimatmuseen. Gegen eine planlose Neugründung von Museen wurde heftig Partei ergriffen.

Schon 1928 wollte man in Verbindung mit dem Rheinischen Museum in Köln ein Zentralinstitut für das Museumswesen gründen. Es sollte durch Lehrgänge in die Museumskunde einführen und die Leiter der Heimatmuseen mit technischen und Verwaltungsaufgaben vertraut machen. Ein Plan, der ja erst 1980 vom Landschaftsverband Rheinland in der Abtei Brauweiler verwirklicht wurde. 1929 wurde auch erwogen, ein Jahrbuch der Rheinischen Heimatmuseen herauszugeben, ein Plan, der in Folge der schwierigen Finanzlage schließlich aufgegeben werden musste. Auch hierzu gibt es ja eine moderne Neuauflage. Mit dem politischen Umschwung 1933 wurden auch die autoritären Gedankengänge der Politik mit ihrem Führerprinzip in den Museumsverband hineingetragen. Hier zeigte sich aber, dass in den wenigen Jahren des Bestehens des Verbandes der Rheinischen Heimatmuseen ein gutes, tragendes Vertrauensverhältnis zwischen der Verbandsleitung und den Heimatmuseen entstanden war. Diesem Verhältnis ist es zu danken, dass es gelang, die Selbständigkeit des Rheinischen Museumsverbandes zu erhalten und die ursprüngliche Art der Zusammenarbeit der Heimatmuseen beizubehalten. Das bedeutete natürlich trotzdem starke personelle Veränderungen. 1933 konnte sogar noch eine neue Satzung bekannt gegeben werden und es gab ein Nachrichtenblatt. Mit dem sechsten Jahrgang bekam dieses im Jahre 1934 als neue Folge den Titel “Rheinische Heimatpflege, Zeitschrift für Museumswesen, Denkmalpflege, Archivverwaltung, Natur und Landschaftsschutz.” 1934 wurde der Verband in seiner jetzigen Organisationsform und in seinen Organen aufgehoben. Es gelang, die von Berlin aus betriebenen Zentralisierungsbestrebungen durch ausreichendes Taktieren hinzuhalten und sogar abzuwehren. Interessant ist es, dass 1935 neben einem Landesverwaltungsrat für das Museumswesen noch ein wissenschaftlicher Assistent in den Verband der Rheinischen Heimatmuseen berufen wurde. Mit dem Beginn des Krieges waren die meisten Museen geschlossen oder hatten begonnen, einen Teil ihrer Bestände zu verlagern. Viele Museen wurden im Laufe des Krieges in ihren Beständen erheblich dezimiert. Nach dem Krieg kam es 1945 wieder zu einer Betreuung von Museen. Landesoberverwaltungsrat Dr. Busley, der schon vor dem Krieg als Museumspfleger für den Verband gearbeitet hatte, wurde als Leiter der Abteilung Kultur beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz eingesetzt. Mit der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahre 1947 übernahm Dr. Busley als Ministerialrat die Kulturpflege im Kultusministerium der Landesregierung, Dr. Vogler die Museumspflege. Erst 1947 trafen sich 78 Teilnehmer der rheinischen Museen zu einer neuen Jahresversammlung. Danach schweigen aber die Akten schon wieder über weitere Zusammenkünfte, auch von einer örtlichen Verbandsarbeit ist nicht die Rede. Der Verband Rheinischer Museen war mal wieder eingeschlafen oder an Streitigkeiten gescheitert.

Bei der Neugründung 1962 wurden die Heimatmuseen in den Mittelpunkt der heimatkundlichen Bildungsarbeit der Volksschulen gerückt. Es wurde damals beklagt, dass der Unterricht in den Museen und in der Schule im Anschaulichen wurzeln solle, aber von dieser Möglichkeit wurde recht wenig Gebrauch gemacht. Damals erschien die Errichtung von “Heimatschulen” in den Heimatmuseen ein Weg zu einer stärkeren Bindung der regionalen Museen an die Schulen, der sich bei einigen Heimatmuseen recht fruchtbar auswirkte. Dies zeigt aber, wie erhaltene Beispiele lehren, dass die Schulklassen gar nicht in die Museen gelassen wurden, sondern eigene Räume im Museum erhielten, sozusagen als eine Fortsetzung der Schule in den Museen. Als weitere Aufgaben der damaligen Heimatmuseen wurden genannt: Bewahrung und Konservierung des wichtigen heimatlichen Quellenstoffs, sodann die Aufgabe der Forschung und der wissenschaftlichen Bearbeitung, die mit der einwandfreien Inventarisation der Bestände beginnen sollte. Damit sind aber auch schon zentrale Themen umrissen, die uns noch heute beim Verband Rheinischer Museen und überhaupt in den Museen beschäftigen.

Der Direktor des rheinischen Provinzialverbandes, später Landschaftsverband Rheinland, war immer auch der Vorsitzende des Verbandes der rheinischen Heimatmuseen, zuerst Landeshauptmann Horion. Wir tagen heute hier im nach ihm benannten Haus des Landschaftsverbandes Rheinland. Seit 1962 war mit der Neubegründung der Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland, Dr. Udo Klausa, auch der Vorsitzende des Verbandes und blieb dies bis 1972, also zehn Jahre lang. Erst dann bekam der Verband einen eigenen, aus dem Kreis der Museen stammenden Vorsitzenden, Prof. Dr. Hugo Borger. Dieser verstand es, mit wenigen Presseaufrufen auch die Öffentlichkeit für die Museumsfragen im Lande zu mobilisieren. Unvergesslich ist z.B. seine sozusagen spontane Fahrt nach Mönchengladbach, mit uns Museumsleitern von einer Tagung in Köln, um dem dortigen Museumsleiter Johannes Cladders mit seinem Architekten Hans Hollein beizustehen, damit ohne Abstriche das zukunftsweisende moderne Museum in Mönchengladbach auf dem Abteiberg gebaut werde konnte. Diese Aktion hatte durchaus Erfolg, zeigte aber auch schon die Struktur unseres Verbandes, dass immer, wenn ein Museum Hilfe brauchte, man sich an den Verband Rheinischer Museen wandte, dann aber später der Kontakt abbrach. Gerade seit dieser Zeit gibt es schon eine starke Kluft zwischen den sogenannten Heimatmuseen und auf der anderen Seite die stärker auf die Vermittlung von Kunst ausgerichteten großen Museen, die vom Kultusminister des Landes NRW bezuschusst werden. Natürlich spielte und spielt im Verband Rheinischer Museen auch die Struktur des Rheinlandes mit den zwei großen Städten Köln und Düsseldorf und der damals zur Bundeshauptstadt aufgestiegenen Stadt Bonn eine große Rolle, mit den vielen drumherumliegenden kleineren Städten. Der Direktor des Rheinischen Archiv- und Museumsamtes seit Hugo Borger war Dr. Alfons Biermann, der dieses Amt bis in die neunziger Jahre hinein innehatte und viel für unsere Museen erwirkte. Seine Nachfolger waren Dr. Kurt Schmitz und heute Dr. Norbert Kühn.

1962, bei der Wiederbegründung des Verbandes, hatte man schon eigene Distrikte für die Museen eingerichtet. Nach 1972 wurde dieser Gedanke wieder aufgegriffen. Es wurden nun die Regionalverbände 1-6 begründet. Sehr unterschiedlich haben diese Untergruppen funktioniert. Zwei Regionen davon sind heute noch erfolgreich tätig und haben eigene Arbeitsweisen und eine enge Zusammengehörigkeit entwickelt. Hier ist vor allen Dingen die Region 3 zu nennen, die die Museen von Düsseldorf und dem Bergischen Land umfasst. Diese hier zusammengeschlossenen Museen tagen regelmäßig, informieren sich und geben gar neue Anstöße für den Verband. Weiterhin ist die Region 6, die Eifel zu nennen, die sich allerdings mit der Zeit, durch die Gründung der Euregio, ganz anders orientiert hat und mit den Museen der Niederlande und Belgiens sehr erfolgreich zusammenarbeitet.

Durch den Landschaftsverband wurde das Museumsamt mit Sitz in Bonn, seit der Auflösung des Landeskrankenhauses in Brauweiler seit 1978 selbst in Brauweiler ansässig, immer weiter ausgebaut und zu einer unverzichtbaren Institution für die Museen im Rheinland. Der Verband Rheinischer Museen hat mit dem Museumsverband, jetzt Rheinisches Archiv- und Museumsamt, eng zusammengearbeitet, sich seit 1991 zeitweilig aber auch wieder davon entfernt.

Auch mit der Vereinigung Westfälischer Museen gab es immer wieder Kontakte, unvergessen ist die einmalige Tagung in Münster, angeregt durch Hugo Borger, wo schnell eine gemeinsame Zukunft aller nordrhein-westfälischen Museen proklamiert wurde, die aber später nicht eingelöst wurde. Erst nach der Neugründung unseres Verbandes 1991 ist die Zusammenarbeit mit der Vereinigung Westfälischer Museen mit neuem Leben erfüllt worden. Bezeichnenderweise waren die Vertreter der Vereinigung Westfälischer Museen auch bei der Neubegründung des Verbandes Rheinischer Museen im Jahre 1962 eingeladen und vertreten. Die Zusammenarbeit war also nie aus den Augen verloren worden.

Es ist aber auch für die heutige Zeit bezeichnend, bei der verhältnismäßigen Großräumigkeit des Rheinlandes, dass bei den Tagungen des Verbandes Rheinischer Museen in der Vergangenheit große, erhebliche Schwankungen der Teilnehmerzahl zu verzeichnen war. Für die heutige Zeit liegt dieses sehr wahrscheinlich darin begründet, dass sich die Städtegemeinden in ihre Kulturhoheit wenig hereinreden lassen wollen. So dürfen gar einige Museumsleiter außerhalb ihres Bereichs kaum mehr offen reden. Bei der Finanzknappheit des Bundes, des Landes und der Städte werden die Museen in unserem Lande auch immer stärker von Sparmaßnahmen, vor allen Dingen auch im personellen Bereich und im Ausstellungsbereich, stark und gar beängstigend beschnitten. In vielen größeren Institutionen sind große Ausstellungen nur noch mit Hilfe von Sponsoren aus der Wirtschaft durchzuführen.

Gerade auch an dieser Stelle muss mit Nachdruck gesagt werden, dass die Arbeit für und in den Museen eine zentrale Aufgabe nicht nur des Landschaftsverbandes Rheinland, sondern auch des Landes Nordrhein-Westfalen ist und man diese Arbeit nicht einfach bei fehlenden Finanzmitteln als Beliebigkeit, nicht unbedingte Notwendigkeit und gesetzliche Verpflichtung, abtun kann. Bei den schon notorisch beklagten Bildungsnotständen im Lande ist es äußerst wichtig, die Anschauung unserer Kultur, unserer Geschichte und unserer Natur in den Museen zu erhalten und vor allen Dingen auch den Schulklassen zur Verfügung zu stellen. Dass dies durchaus von den Schulen erkannt wird, zeigen nicht nur die unendlich vielen Schulklassen in unseren Museen, sondern echte Partnerschaften, die zwischen Schulen und vielen Museen entstanden sind.

So hoffen wir auch am Tage des 75jährigen Bestehens des Verbandes Rheinischer Museen, dass dieser Verband für die Bildungsarbeit, für die Stärkung der Museen in unserem Lande erhalten bleibt und wirkt. Für die Ausbildung und Fortbildung der Museen, gerade auch der kleineren Museen, muss mit neuen Strukturen und Veränderungen in unserer Zeit und für eine zukünftige Entwicklung der Museumsarbeit verstärkt gesorgt werden. Unsere Museen haben, auch im Rheinland, nur gemeinsam eine Zukunft vor sich.

Dirk Soechting

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